7 Dinge, die Workshop-Teilnehmerinnen überraschen

Teilnehmerin mit zwei selbst aufgearbeiteten Holzhockern im TREWIENS Workshop

„Das hätte ich mir viel schwieriger vorgestellt.“

Wenn ich am Ende eines Workshops frage, was die größte Überraschung war, bekomme ich selten dieselbe Antwort. Und doch gibt es einige Dinge, die immer wieder genannt werden.


1. Wie viel Geschichte in einem Möbel steckt

Manche bringen einen Flohmarktfund mit. Andere einen Nachttisch aus ihrer Kindheit oder einen alten Stuhl von den Großeltern.

Oft beginnt die Verwandlung deshalb nicht mit Farbe, sondern mit einer Frage: Warum möchte ich gerade dieses Möbel erhalten?

Je länger man sich mit einem Stück beschäftigt, desto mehr entdeckt man. Gebrauchsspuren. Reparaturen. Kleine Eigenheiten wie Opas Adresse, die unter einen Nähtisch geleimt wurde. Und manchmal sogar Erinnerungen, die jahrzehntelang irgendwo verborgen waren – wie die alte Postkarte einer Vorbesitzerin, die hinter einer Schublade klemmte.


2. Schleifen: keine Geheim-Wissenschaft 

Viele kommen mit großem Respekt vor elektrischen Werkzeugen wie Schleifmaschine oder Akkuschrauber – gerade Frauen.

Nach den ersten Übungen am Testbrett ist die Überraschung meist groß: Die Geräte sind Werkzeuge und werden sehr schnell Freunde statt Gegner – gewusst wie und einfach mal trauen. Und plötzlich macht es so richtig Spaß, selbst Hand anzulegen.

Workshop-Teilnehmerin schleift einen alten Nachttisch mit der Schleifmaschine


3. Viel mehr als „Farbe drauf und fertig“

Gestrichen haben fast alle schon einmal. Doch die meisten wissen vor dem Workshop nicht, wie viele Möglichkeiten der Oberflächengestaltung es gibt. Was ist der Unterschied zwischen Lackieren, Versiegeln und Wachsen? Wann macht Beizen Sinn? Und wann kann eine kreative Technik eine beschädigte Oberfläche sogar zum Vorteil machen?

Genau solche Fragen begleiten uns durch das Wochenende. Denn Möbel-Upcycling ist mehr als ein schnelles DIY-Projekt.

Teilnehmerin streicht sorgfältig das Ornament am Sockel von einem alten Holztisch

 

4. Der Zwischenschliff-Moment

Für viele ist das der heimliche Star des Workshops. Am ersten Tag wird gestrichen, am zweiten ist die Oberfläche durchgetrocknet.

Dann streicht man mit der Hand darüber. Anschließend erfolgt der Zwischenschliff. Und plötzlich fühlt sich dieselbe Fläche völlig anders an. Wer diesen Unterschied einmal gespürt hat, versteht, warum gute, glatte Oberflächen nicht zufällig entstehen.


5. Nicht jedes Möbel streichen

Ja, wirklich. Viele kommen mit einer konkreten Farbidee in den Workshop. Doch manchmal zeigt sich beim Schleifen plötzlich eine wunderschöne Holzmaserung. Die Struktur, die Farbunterschiede, die Spuren der Jahre – all das kann einem Möbel eine Ausstrahlung verleihen, die keine Farbe ersetzen kann.

Manche Teilnehmerinnen entscheiden sich dann ganz bewusst für eine Konzeptänderung. Statt zu überstreichen, wird die Holzoberfläche aufgearbeitet, geschützt und mit Beize oder Wachs hervorgehoben. Oft ist es gerade der Kontrast von Holzmaserung und Farbe, der das Stück am Ende zum einzigartigen Unikat macht.

Denn gute Möbelgestaltung bedeutet nicht, möglichst viel Farbe einzusetzen. Sondern herauszufinden, welches Potenzial ein Möbelstück wirklich hat.

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6. Kreativität hat nichts mit Talent zu tun

In meinen Workshops arbeiten Lehrerinnen neben Ingenieurinnen, Rentnerinnen neben jungen Erwachsenen, Bürokräfte neben Fotografinnen.

Die jüngste Teilnehmerin war 18, die älteste 75. Fast alle meinen am Anfang, sie seien „nicht so kreativ“.

Am Ende nehmen sie ein Möbelstück mit nach Hause, das es kein zweites Mal gibt. Und oft die überraschende Erfahrung, was noch so alles in ihnen steckt.

7. Dass der Workshop oft erst der Anfang ist

Natürlich nehmen die Teilnehmerinnen ihr fertiges Möbelstück mit nach Hause. Doch oft nehmen sie noch etwas anderes mit: den Blick für Möglichkeiten und Nachhaltigkeit. Fast immer fällt am Ende des Wochenendes ein Satz wie:

„Ich weiß schon,
welches Möbel ich als Nächstes machen möchte.“

Plötzlich werden alte Nachttische, vergessene Stühle oder Fundstücke vom Dachboden mit anderen Augen betrachtet. Viele stellen fest, dass sie mit dem erlernten Grundwissen zu Hause selbst weiterarbeiten können.

Und genau darum geht es mir: nicht nur ein altes Möbel zu verändern, sondern Wissen, Ideen und Freude am Erhalten von Möbeln mit Geschichte weiterzugeben. Jedes Möbelstück, das erhalten und weiter genutzt wird, ist ein kleiner Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit und Wertschätzung – und oft ein Gewinn für die eigene Wohnung und den Geldbeutel.

Workshop-Teilnehmerin am Ende mit fertig gestaltetem Nachttisch - dem ersten aus ihrer Kindheit. Nun Schmuckstück für die Diele.


Vielleicht ist das die größte Überraschung überhaupt:
Dass aus einem Workshop manchmal eine ganz neue Leidenschaft entsteht.