Ein kleiner Flyer …
Ich war gerade im Urlaub im Baltikum in Litauen, auf der Kurischen Nehrung – der Heimat meiner Oma. Die Weite der tosenden Ostsee, Dünen, Wind auf der Haut und ein wundervolles Fleckchen Erde. Als ich eines Tages nach dem täglichen frühen Kaffee auf einer Bank bei Sonnenaufgang über dem Haff meine E-Mails öffnete, wartete dort eine Überraschung: die Anfrage einer Journalistin der Thüringer Allgemeinen.
Kurz zuvor hatte ich die ersten Flyer für TREWIENS ausgelegt. Einer davon war ihr zufällig ins Auge gefallen. Das Thema hatte sie neugierig gemacht: alte Möbel bewahren, ihre Geschichte weitererzählen und durch Möbel-Upcycling etwas Neues daraus entstehen lassen.
Ein paar Wochen später trafen wir uns im Werk-Atelier von TREWIENS im Pöler Weg in Erfurt. Aus der geplanten halben Stunde mit der Journalistin Sibylle Göbel wurde ein intensives zweistündiges Interview. Wir sprachen über Möbel mit Geschichte, über Nachhaltigkeit und Upcycling – und darüber, warum es sich lohnt, genauer hinzusehen, bevor ein altes Möbelstück aussortiert wird.
Und es ging auch um meinen eigenen Neustart – und um die Frage, wie das ist, mit Ende 50 noch einmal etwas ganz Neues zu wagen.
Bald darauf erschien die erste große Veröffentlichung über TREWIENS: ein Online-Artikel in der Thüringer Allgemeinen.
Ein paar Wochen später, an einem Samstagmorgen, flatterten plötzlich Nachrichten auf meinem Handy ein. Um sieben Uhr schrieb mir die Kundin einer meiner ersten Auftragsarbeiten: „Frau Niewerth, Sie lagen in meinem Briefkasten.“
Kurz darauf kam die nächste Nachricht: „Ulli, du hast mich in der Zeitungsauslage beim Bäcker angelacht. Ich dachte, ich sehe nicht richtig.“
Und tatsächlich: Der Artikel über TREWIENS, mich und meine Arbeit mit alten Möbeln war auf der Titelseite der Thüringer Allgemeinen gelandet.
Das war schon ein besonderer Moment.
Seither melden sich viele Menschen bei mir – wegen dem blauen Duo, das für die Tochter, die ihr erstes Kind erwartet, aufbereitet werden soll, oder dem von mir verwandelten Mid-Century-Tisch Alfred in Salbei im Shop, er es jemand angetan hat.
Es freut mich, dass das Thema „Möbel mit Geschichte“ so viel Aufmerksamkeit findet. Denn genau darum geht es bei TREWIENS: nicht einfach nur aus alt neu zu machen. Sondern zu sehen, was schon da ist an verwendetem Holz, an Handwerk, an Design und Funktion – und daraus ein neues Lieblingsstück mit einer neuen Geschichte entstehen zu lassen.
[→ Zur erwähnten Auftragsarbeit]
[→ Zum Artikel der Thüringer Allgemeinen]
Und dann kam der MDR
Damit war die Geschichte noch nicht zu Ende. Denn über den Artikel in der Thüringer Allgemeinen wurde auch der MDR auf TREWIENS aufmerksam.
Wenig später stand ein Kamerateam in meinem Werk-Atelier im Pöler Weg. Gedreht wurde mitten im TREWIENS-Alltag: in der Werkstatt und während gewerkelt wurde. Auch Workshop-Teilnehmerinnen kamen zu Wort und erzählten, was sie am Arbeiten mit alten Möbeln fasziniert, und was sie aus einem solchen Workshop so alles mitnehmen.
Aus dem halben Drehtag entstand eine rund dreiminütige Reportage für die aktuelle Mittags-Sendung des MDR. Der ursprüngliche rote Faden des Storyboards lautete „Zu spät gibt’s nicht – Neustart mit Ende 50“: vom beruflichen Neustart über meine schon frühe Liebe zu alten Möbeln bis zur heutigen Arbeit in der Werkstatt.
Und irgendwie schließt sich damit ein besonderer Kreis:
Ein kleiner Flyer, irgendwo ausgelegt.
Eine Journalistin, die ihn zufällig entdeckt.
Ein zweistündiges Gespräch.
Ein Online-Artikel.
Die Titelseite.
Und schließlich ein Kamerateam in meiner Werkstatt.